Am 4. November 2026 fand in der neuapostolischen Kirche Weinstadt-Endersbach der letzte Gottesdienst statt. Bezirksvorsteher Bernd Schulz leitete den Gottesdienst und nahm im Anschluss die Entwidmung des Kirchengebäudes vor. Der ehemalige Gemeindevorsteher, Priester Jochen Claß, wirkte in der Predigt mit und blickte anhand der Gemeindechronik auf die Geschichte von Endersbach zurück. Damit endete nach 54 Jahren die Nutzung des Gebäudes als neuapostolische Kirche.
Bereits am 17. September 2026 waren die Gemeinden Weinstadt-Endersbach, Kernen-Stetten und Kernen-Rommelshausen zur neuen Gemeinde Kernen zusammengeführt worden. Mit dem letzten Gottesdienst in Endersbach wurde nun auch der Abschied vom bisherigen Kirchengebäude vollzogen. Für viele Gemeindemitglieder war dieser Abend mit zahlreichen Erinnerungen verbunden.
Bezirksvorsteher Bernd Schulz legte seiner Predigt das Bibelwort aus Kolosser 3,12 zugrunde: „So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.“
Im Mittelpunkt stand das Bild des neuen Kleides, das der Apostel Paulus verwendet. Herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld seien Eigenschaften, die das Miteinander prägen und besonders auch auf dem neuen gemeinsamen Weg der Gemeinde wichtig seien. Über allem stehe die Liebe als verbindendes Band.
Der Bezirksvorsteher machte deutlich, dass mit dem Abschied vom Kirchengebäude nicht die Gemeinschaft ende. Über viele Jahrzehnte hatte das Gebäude Raum für Gottesdienste, Begegnungen und gemeinsames Glaubensleben geboten. Die Verbundenheit der Gemeindemitglieder sei jedoch nicht an die Mauern gebunden. Die Gemeinde bleibe bestehen und könne ihren Glauben und ihre Gemeinschaft auch an einem neuen Ort weiterleben.
Ein Rückblick auf die Gemeindegeschichte
Priester Jochen Claß, der die Gemeinde Endersbach seit Juli 2016 als Vorsteher begleitet hatte, erinnerte in seinem Predigtbeitrag an die gemeinsamen Jahre. Er griff das Bild des neuen Kleides auf und ermutigte dazu, die im Bibelwort genannten Eigenschaften bewusst in die neue Gemeinde einzubringen.
Anschließend las er aus der Gemeindechronik. Die Geschichte der neuapostolischen Gemeinde Endersbach reicht bis in die 1920er-Jahre zurück. Zunächst fanden Gottesdienste in privaten Räumen und später auch in einem Schulraum statt. Am 22. Februar 1954 wurde Endersbach eine selbstständige Gemeinde.
Ein bedeutender Meilenstein war der 19. Oktober 1972, als die eigene Kirche eingeweiht wurde. Sie entwickelte sich zu einem festen Mittelpunkt des Gemeindelebens. Neben den Gottesdiensten fanden dort Unterricht, musikalische Aktivitäten und zahlreiche Begegnungen statt. Besonders die Arbeit des Chores, das Gemeindeorchester sowie gemeinsame Feste und Veranstaltungen prägten die Gemeinschaft über viele Jahrzehnte.
Der Rückblick erinnerte zugleich an die vielen Amtsträger, Lehrkräfte, Musikerinnen und Musiker sowie ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich für die Gemeinde eingesetzt hatten. Ihre Arbeit und ihr Engagement haben das Gemeindeleben über Generationen hinweg mitgestaltet.
Entwidmung des Kirchengebäudes
Nach der gemeinsamen Feier des Heiligen Abendmahls und dem Schlussgebet nahm Bezirksvorsteher Bernd Schulz die Entwidmung der Kirche vor. Mit der feierlichen Handlung wurde das Gebäude seiner bisherigen Bestimmung als Gottesdienststätte entzogen.
Im Anschluss trug Priester Jochen Claß symbolisch die Bibel aus dem Kirchenschiff. Weitere Priester folgten mit den Abendmahlskelchen. Damit wurde auch äußerlich sichtbar, dass die jahrzehntelange Nutzung des Kirchengebäudes für Gottesdienste zu Ende gegangen war.
Der letzte Gottesdienst war von Dankbarkeit für die gemeinsame Vergangenheit und Zuversicht für die Zukunft geprägt. Die Erinnerungen an die vielen Gottesdienste und Begegnungen bleiben bestehen. Zugleich bringen die bisherigen Mitglieder aus Endersbach ihre Erfahrungen, ihre Begabungen und ihr Engagement in die neue Gemeinde Kernen ein und gestalten deren Zukunft mit.